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Pädagogik gegen Antisemitismus:
Neue Herausforderungen

Aus den Einführungstexten zum Seminar des haGalil e.V. am 3.7.2007 gegen Antisemitismus

Von Jörg Fischer

Auch in Deutschland steht eine Pädagogik, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, gegen Antisemitismus und gegen antisemitische Denkstrukturen vorzugehen, nicht nur immer noch am Anfang, sondern ist auch mit den aktuellen Formen des Antisemitismus weitgehend überfordert, bzw. hat die Dimension und die Facetten und Erscheinungsformen des Antisemitismus noch nicht im vollem Ausmaß ergriffen. Ein Grund hierfür dürfte in der reinen Wahrnehmung des Antisemitismus als ein historisches Phänomen, oder als ein rein rechtsextremistische, bzw. nationalsozialistische Erscheinen sein.

Dies ist zweifelsfrei verwunderlich, da gerade in Deutschland der Antisemitismus nicht nur eine sehr lange, durch die christlichen Kirchen geprägte Tradition hat, sondern in Deutschland auch zur globalen Katastrophe, zum in der Menschheitsgeschichte einzigartigen und unvergleichbaren Zivilisationsbruch der Schoah geführt hat, zum industriell organisierten und nach den Kriterien der Effektivität geplanten, organisierten und durchgeführten Massenmord an 6 Millionen Jüdinnen und Juden geführt hat. Zudem wird oftmals nicht registriert, dass der Antisemitismus auch heute die grundlegende Ideologie antizivilisatorischer, antidemokratischer, antihumanistischer und antimoderner Ideologien ist.

Daneben fungiert der Antisemitismus als das Amalgan, das sonst scheinbar unvereinbare politische Richtungen miteinander verbindet: Neonazis/Rechtsextremisten, Teile der Linksextremen und radikale Islamisten. Resultierend aus dem Antisemitismus folgen weitere Schnittmengen bei diesen Strömungen, wie etwa Ablehnung der Grundsätze der demokratischen Wertegemeinschaft, Antiamerikanismus, Homophobie, Ablehnung des Individualismus und Überbetonung eines Kollektivs.

Zudem zeigt sich, dass eine Pädagogik gegen Antisemitismus, die sich darauf beschränkt, die Erinnerung an die Shoah zu erhalten und sie Jugendlichen zu vermitteln, rasch an ihre Grenzen stößt. Das Wissen um den Massenmord an den europäischen Juden immunisiert nicht gegen Antisemitismus. Die Erinnerung an die Shoah wird von nicht wenigen Antisemiten sogar pervertiert. Dies zeigt sich etwa in der häufig zu hörenden Gleichsetzung des nationalsozialistischen Unrechtsregimes mit dem demokratischen Staat Israel. So wird unter völliger Missachtung der realen Tatsachen und unter bewusster Umkehrung der Situation behauptet, "Israel" oder "die Juden" würden mit "den Palästinensern" genau so umgehen, wie die Nazis mit den Juden. Während rechte Antisemiten damit vor allem endlich die Opfer und deren Nachkommen zu Tätern umlügen wollen und auf eine Entlastung des NS-Regimes abzielen, geht es linken Antisemiten und Islamisten vor allem darum, den Staat Israel zu dämonisieren, sich selber als unschuldige Opfer zu stilisieren und "den Juden" die Schuld an den Konflikten im Nahen Osten zuzuschieben.

Hieraus resultiert die Anforderung an die Pädagogen, nicht nur historisches Wissen zu haben und zu vermitteln, sondern auch durch ein auf Fakten basierendes, an der Realität orientiertes Wissen über den Nahost-Konflikt antisemitischer Propaganda, bzw. daraus resultierenden Aussagen von Schülerinnen und Schüler argumentativ entgegen treten zu können.

In der Regel finden sich auch in aktuellen politischen Diskussionen altbekannte antisemitische Stereotypen wieder, die eine Dämonisierung Israels und eine Stimmungsmache gegen jüdische Menschen zum Ziel haben. Erinnert sei hier nur an die Parole "Israel trinkt das Blut libanesischer Kinder" auf sog. "Friedensdemonstrationen" im Sommer 2006 oder die Behauptung, Israel und die USA würden angeblich "die Welt beherrschen". Dass die Verschwörungstheorie von der "jüdischen Weltherrschaft" nicht nur in neonazistischen und in islamistischen Kreisen verbreitet wird, bewies u.a. die sich selber links verortende Tageszeitung "junge Welt" am 15. Juni 2006: "Der israelische Gewaltexzess im Libanon war jedoch von langer Hand geplant, …Der erneute Krieg gegen Libanon, das Säbelrasseln gegen Syrien und die ominösen Drohungen gegen Iran sind kein Produkt israelischer Ratlosigkeit«, sondern Bausteine der Phase zwei einer Strategie, die führende amerikanische Neokonservative bereits 1996 in dem Dokument "A Clean Break" (Ein sauberer Bruch) dem damaligen israelischen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vorgeschlagen hatten. … Die neokonservativen Verfasser von "Clean Break", ausnahmslos US-Amerikaner jüdischer Herkunft …"

Antisemiten leiten aus ihrem entsprechenden Weltbild auch ihre weiteren Feindbilder ab – z.B. Homosexuelle. So verkünden fundamentalistisch-islamistische Prediger, die israelische Armee würde "die Seuche der Homosexualität und Aids in der arabischen Welt verbreiten". Homosexualität wird als Produkt des "dekadenten Westens, der von Juden beherrscht" werde, definiert. So ist es dann auch kein Widerspruch, wenn z.B. die bereits zitierte "junge Welt" in einem Bericht über den "Christopher-Street-Day" 2006 in Berlin Homosexuelle, bzw. besonders schwule Männer mit der Beschreibung als die "andersherum Verkehrenden" versucht lächerlich, wenn nicht indirekt verächtlich zu machen. Ähnliches kann man auch in der Ablehnung des Individualismus beobachten, bzw. in der Ansicht, das einzelne Individuum müsse sich, seine Interessen und Rechte den Interessen eines nebulösen, zumeist nicht näher definierten Kollektivs unterordnen. Der Individualismus wird ebenfalls als Teil der "westlichen Dekadenz" angesehen, die wiederum als Auswirkung eines unterstellten "jüdischen Einflusses" dargestellt wird. Die Kollektive, denen sich das Individuum unterzuordnen und seine Rechte zu opfern hat, werden unterschiedlich definiert. Rechtsextremisten und Neo-Nationalsozialisten gehen von einem, rassistisch-völkischen Kollektiv, der sogenannten "Volksgemeinschaft", aus. Teile der extremen Linken definieren das Kollektiv aufgrund der sozialen Stellung, während radikale Islamisten von einem religiös definierten Kollektiv ausgehen. Gemeinsam ist allen, das sie die jeweiligen Personen, die sie zu ihrem Kollektiv zählen, nicht als individuelle Personen wahrnehmen, sondern nur als Teil des Kollektivs und die unterstellten Interessen, Bedürfnisse und Rechte des Kollektivs absolutieren. Im Umkehrschluss ist ein solches kolletivistisches Welt- und Menschenbild die Voraussetzung für diverse Verschwörungstheorien, da auch "die Juden" als ein Kollektiv dargestellt werden, die homogen handeln und nach einem Plan kollektiv handeln.

In der Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus werden Pädagoginnen und Pädagogen auch noch mit einem weitverbreiteten emotionalen Gefühlsreflex konfrontiert: Der vermeintlich Schwächere wird als der sich im Recht befindliche definiert, der vermeintlich Stärkere ist "Täter" und befindet sich im Unrecht. Solche Automatismen orientieren sich nicht an der Faktenlage, sondern am subjektiven, gefühlsmäßigen Empfinden. Besonders ausgeprägt wirken sie bei Diskussionen um den Nahost-Konflikt.

Während bei Herkunftsdeutschen der Antisemitismus auch die Funktion der Schuldabwehr, bzw. Schuldabwälzung hat, indem man nachträglich die Opfer, bzw. deren Nachkommen zu Tätern macht und durch die bereits beschriebenen Versuche der Gleichsetzung die Einmaligkeit der Shoah und der NS-Barbarei zu leugnen sucht, tritt bei MigrantInnen bzw. Menschen mit Migrationshintergrund ein anderes Problem auf.

Selbst wenn in Deutschland lebende Menschen aus MigrantInnenfamilien bereits in der dritten oder vierten Generation in Deutschland sind, werden sie von der deutschen Mehrheitsgesellschaft nicht als Deutsche wahrgenommen und akzeptiert – oftmals selbst dann nicht, wenn sie einen deutschen Pass und damit die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Die daraus folgende mangelnde Integration – die von weiten Teilen der Mehrheitsgesellschaft eher als Einbahnstraße denn als gegenseitiger Prozess der Veränderung und als Chance zur Weiterentwicklung der gesamten Gesellschaft angesehen wird – hat im Gegenzug u.a. dazu geführt, dass sich viele aus MigrantInnenfamilien Stammende kaum oder gar nicht mit der deutschen Geschichte auseinandergesetzt haben oder auch nur auseinandersetzen wollen. Da sie nicht als Teil der deutschen Gesellschaft akzeptiert werden, sondern eher aus dieser ausgeschlossen gehalten werden, sehen sie sich auch nicht als Teil der deutschen Gesellschaft und ihrer Geschichte.

In Teilen der (extremen) Linken spielt auch eine Romantisierung sogenannter "Volksbefreiungsbewegungen" eine Rolle. Bei der "Solidarisierung mit den Palästinensern", wird außer Acht gelassen, dass gerade diese Bewegungen ein reaktionäres, faschistoides Welt- und Menschenbild verfolgen und die Errichtung eines autoritären und totalitären Systems verfolgen und dass gerade dieses Weltbild den Hass auf den israelischen Staat mit seiner demokratischen und offenen Gesellschaft, in der Männer und Frauen, Homo- und Heterosexuelle gleichberechtigt leben, immer wieder aufs neue anfacht. Die israelische Meinungs-, Presse-, Versammlungs- und Religionsfreiheit ist diesen "Freiheitsbewegungen" fremd, die Existenz einer solches Gesellschaft wird selbstredend als "Provokation" und Gefährdung des eigenen, uneingeschränkten Machtanspruches angesehen. Dies verstärkt übrigens auch den Hass generell auf westliche, demokratische Staaten und eine freiheitlich-demokratische Gesellschaftsordnung.

Deshalb ist es ein wichtiger Bestandteil bei der pädagogischen Bekämpfung des Antisemitismus, dieser Ideologie eine sichtbare Alternative entgegen zu setzen und den Jugendlichen Werte einer aufgeklärten, offenen, pluralistischen und emanzipatorischen Gesellschaft zu vermitteln.

haGalil e.V. wird in Zusammenarbeit mit der RAA Berlin und Unterstützung der Landeszentrale für politische Bildung Berlin im Juli in Berlin zwei Fortbildungsseminare für Lehrer und Pädagogen durchführen...

http://www.hagalil.com/archiv/2007/06/seminare.htm


 "Erledigt ist das Ganze sicherlich nicht"

                                                                   Quelle:


Der Rechtsextremismus-Experte der SPD-Landtagsfraktion im haGalil-Interview – über den "Fall Oettinger" und seine Folgen, über den Umgang mit Rechtsextremisten und was Neonazis und Islamisten verbindet...

Interview: Jörg Fischer

Herr Braun, Sie gehören zu den Experten in Sachen Rechtsextremismus im baden-württembergischen Landtag. Können Sie schon eine Einschätzung geben, wie die rechtsextreme Szene auf die Trauerrede von Günther Oettinger für den Hans Filbinger und die anschließende öffentliche Diskussion reagierte?

Von der NPD in Baden-Württemberg kommt, wie nicht anders zu erwarten, volle Unterstützung für den Ministerpräsidenten. Der NPD-Landesvorsitzende Schützinger wünschte Oettinger "Durchhaltevermögen" bei der Verteidigung seiner Trauerrede. Klar ist, dass solche Geschichtsklitterung und Verklärungen der NS-Zeit Wasser auf die Mühlen der Rechtsextremen sind und ihnen helfen, die Grenze zwischen rechtsextremistischen und demokratischen Spektrum zunehmend zu verwischen.

Was war eigentlich so überraschend an Oettingers Lobesrede? Immerhin war Filbinger zu seinem Tod Ehrenvorsitzender der Landes-CDU, trotz seiner Vergangenheit als Nazi-Marinerichter.

Dass die baden-württembergische CDU Filbinger zu ihrem Ehrenvorsitzenden gemacht hat, ist schlimm genug. Dessen ungeachtet ist von einem Ministerpräsidenten, auch bei einer Trauerrede, zu erwarten, dass er differenziert und geschichtspolitisch sensibel auch diesen Teil der Geschichte Filbingers zur Sprache bringt und dabei die Opfer und Verfolgten des Nationalsozialismus und ihre Angehörigen nicht vergisst. Die Wahrheit ist, niemand wurde gezwungen die Laufbahn eines Nazi-Richters einzuschlagen. Nazi-Richter haben Nazi-Unrecht gesprochen. Nazi-Unrecht kann heute nicht Recht sein. Diese Trauerrede war ein Affront gegen alle, die wirklich im Widerstand gegen die Nationalsozialisten tätig waren.

Es ist viel vom "Flurschaden" die Rede, den Oettinger mit seiner Trauerrede angerichtet hat. Können Sie den Begriff "Flurschaden" etwas genauer beschreiben, was muß man sich darunter vorstellen?

Für die Person Günther Oettinger stellt sich die Frage, ob er für sein Amt als Ministerpräsident von Baden-Württemberg wirklich geeignet ist, wenn er solch eine Rede konzipiert, hält und tagelang nicht dazu in der Lage ist, sich vom Gesagten zu distanzieren. Oettinger hat keine Linie, keinen Maßstab, keinen Kompass und keine Sensibilität für historische Themen. Das erweist sich auch in anderen peinlichen Auftritten. Mal singt er lauthals alle drei Strophen des Deutschlandliedes mit, mal betreibt er Geschichtsklitterung, indem er die Rolle von Hans Filbinger in der NS-Zeit verklärt. Der "Flurschaden" der aus solchem Handeln entsteht ist erheblich. Er bedient, wenn auch nicht beabsichtigt, damit rechtes Gedankengut. Er stärkt damit die Position und Reputation derer, die schon seit Jahren eine Relativierung der Verbrechen des Nationalsozialismus propagieren.

Nach seiner halbherzigen "Entschuldigung" kam die Distanzierung Oettingers von den kritisierten Passagen. Ist die Sache damit erledigt?

Erledigt ist das Ganze sicherlich nicht. Günther Oettinger hat sich entschuldigt, das war wichtig. Das bedrückende an dem ganzen Vorgang ist, dass niemand im baden-württembergischen Landesverband der CDU Oettinger widersprochen hat. Im Gegensatz zum Entsetzen und Kopfschütteln in anderen Landesverbänden der CDU blieb eine kritische Reaktion aus. Dies zeigt, dass die Landes-CDU in Baden-Württemberg erheblichen Nachholbedarf bei der Aufarbeitung der Geschichte ihrer eigenen Repräsentanten hat. Oettinger ist weder rechtsradikal, noch rechtsextrem. Sein Problem ist, dass er oft beliebig wirkt, ihm eine innere Linie, ein Kompass fehlt. Das macht ihn im Grunde untragbar für solch ein wichtiges Amt.

Die rechtsextreme Szene versucht verstärkt, sich quasi als "die netten Nazis von Nebenan" zu präsentieren und verstärkt in der "Mitte der Gesellschaft" Fuß zu fassen. Hierzu gehört die bundesweite "Wortergreifungs-Strategie". Was muß man sich darunter vorstellen?

Die öffentliche Konfrontation mit dem politischen Gegner wird von Rechtsextremisten und rechtsextremistischen Parteien als "Wortergreifungsstrategie" gefahren. Immer häufiger treten deren Vertreter bei Veranstaltungen gegen Rechts auf und sprengen, unter dem Vorwand mitdiskutieren zu wollen, so manche Gesprächsrunde. Wehren sich Publikum und Podiumsgäste gegen eine Gesprächsbeteiligung, so inszenieren sich die Rechtsextremisten als "Opfer" einer "Meinungsdiktatur".

Sollte man organisierte Rechtsextremisten als Gesprächspartner, etwa bei Veranstaltungen oder im Rahmen von "Streitgesprächen", akzeptieren? Wie gehen Sie persönlich damit um, wenn organisierte Rechtsextremisten an Veranstaltungen mit ihnen teilnehmen wollen?

Ich habe Veranstaltungen, bei denen Rechtsextremisten auftreten und solche bei denen sie nicht auftreten. Dialogbereitschaft darf in diesem Zusammenhang nicht missverstanden werden. Die Neonazis, die auf solchen Veranstaltungen auftreten sind häufig weder dialogbereit, noch von guten und richtigen Argumenten zu überzeugen. An einem echten demokratischen Diskurs ist Neonazis nicht gelegen. Für mich gilt: Ich unterlasse alles, was ihnen eine Bühne bauen könnte, akzeptiere sie nicht auf dem Podium, aber wenn sie sich zu Wort melden muss ihnen sachlich geantwortet werden, ohne dass sich der Diskussionsleiter das Heft aus der Hand nehmen lässt.
Die Diskussion mit rechtsorientierten Jugendlichen ist hingegen in jedem Fall zu suchen. Denn hier liegt die Chance, mit demokratischen Argumenten dumpfen rechten Parolen den Boden zu entziehen.

Auf der einen Seite betreibt die rechtsextreme Szene rassistisch motivierte Kampagnen etwa gegen Bauvorhaben von Moscheen – auf der anderen Seite gibt es unverholene Sympathie für islamistische Organisationen wie Hamas und Hisbullah oder dem iranischen Präsidenten Achmadinedschad. Entwickelt sich hier eine "unheimliche Allianz der Antisemiten"?
An einem Tag wird gegen den Bau einer Moschee marschiert, an einem anderen Tag zusammen mit Islamisten gegen Israel und für die Vernichtung des jüdischen Staates demonstriert. Wie ist ein solcher Spagat zu erklären?


Wenn das rechtsextremistische Spektrum für nichttolerable antisemitische Äußerungen des iranischen Präsidenten Beifall klatscht, ist das nicht verwunderlich. In ihrem antisemitischen Hass haben beide Gruppierungen eine ähnliche Motivation. Auch die Ablehnung der USA spielt hier eine Rolle. Die Schnittmenge ist demnach vorhanden. So nahmen NPD-Mitglieder an einer Konferenz einer islamistischen Organisation teil. Islamisten geben Interviews im Parteiblatt der NPD. Rechtsextremisten nehmen in an der "Holocaust Konferenz" in Teheran teil. Doch das sind noch immer Einzelfälle. Die Holocaust-Leugnung ist bei weitem die stärkste Gemeinsamkeit der beider Lager. Den Rechtsextremisten geht es vor allem um die Vergrößerung ihrer öffentlichen Plattform. Die Islamisten bedienen sich antijüdischer Agitationsmuster der Rechten. Von einer "Allianz" zu sprechen halte ich allerdings noch für verfehlt. Dafür ist bis jetzt die gemeinsame Basis nicht vorhanden, die Ablehnung der jeweils anderen Gruppe zu groß.

http://www.hagalil.com/01/de/Antisemitismus.php?itemid=736

Dort auch mal gucken unter
http://www.hagalil.com/01/de/Antisemitismus.php


Die Evangelische Kirche im Rheinland hat eine gute Broschüre gegen Antisemitismus ins Netz gestellt: "...Ist man vor Antisemitismus nur noch auf dem Monde sicher?"

http://www.ekir.de/ekir/dokumente/ekir2007antisemitismus.pdf


Armut und Ungerechtigkeit in Mettenhof

Ein Schulprojekt

Im Rahmen des Interkulturellen Herbstes in Kiel hat der Wahlpflichtkurs „Leben in Beziehungen“ an der Realschule im BZM eine Förderung des Projektes "Weißt Du wer ich bin?" erhalten.

Ziel des bundesweiten Projekts ist die Förderung des friedlichen Zusammenlebens in Deutschland. Der Weg zu diesem Ziel besteht in der Begegnung von Menschen aus unterschiedlichen Religionen.

Schülerinnen und Schüler im Kurs kommen aus verschiedenen religiösen Traditionen. Wir wollten unsere Themen in der interreligiösen Woche präsentieren.

Bei uns geht es um Armut und Ungerechtigkeit in der Lebenswelt von Jugendlichen. In den verschiedenen Religionen gibt es das Bemühen um Befreiung der Menschen und die Förderung menschlichen Wohlergehens.

Wir gingen aus vom Hamburger Hungertuch.

Wie die mittelalterlichen Hungertücher und die zeitgenössischen Misereor-Hungertücher versucht es, „Leiden und Ungerechtigkeit im konkreten Lebenskontext ins Bild zu setzen und die Hoffnung auf menschliches Wohlergehen in Frieden und Gerechtigkeit zu stärken.“ (Folkert Doedens). In Hamburg kamen einmal MitarbeiterInnen des PTI auf die Idee eines Hungertuchs über unsere Welt?" Sie gewannen den Künstler Sönke Nissen-Knaack für ihr Projekt, schauten mit offenen Augen in ihre Stadt und diskutierten in religionspädagogischen Seminaren über Befreiung und Theologie.

(Ausschnitt aus dem Hungertuch)

Mit Mindmaps zu den Bereichen Arbeitslosigkeit, Armut, Kriminalität, Rassismus, Ungesundes begannen wir. Einzelthemen des Hungertuchs haben wir gleichzeitig in Skizzen dargestellt. Wir haben dann versucht, die Themen des Tuchs in unserem Alltag in Mettenhof „wiederzufinden“ und mit unseren Mitteln und Medien darzustellen.


"Abgeben"Themenfelder des Tuchs sind z.B. Wohnen, Einsamkeit und Gemeinsamkeit, Gewalt, Rassismus, Flucht und Asyl und Armut, aber es ist gibt Hoffnung. Möglichkeiten des Zusammenlebens von Mädchen und Jungen, Deutschen und Ausländern usw. werden gezeigt.

Ergebnis der projektorientierten Arbeit war schließlich eine Ausstellung in der Schule mit Fotostories, Skizzen und einer Videoinstallation. Durch diese Ausstellung führten Mitglieder des Kurses und fanden sowohl bei jüngeren als auch bei älteren Schülerinnen und Schülern ein offenes Ohr für die dargestellten Probleme. Bilder und Filme stehen nun für fachübergreifenden Unterricht zur Verfügung.

Einen Teil der Arbeit an den Objekten haben wir in einer Sendung des Offenen Kanals Kiel in aller Öffentlichkeit durchgeführt und dabei versucht, andere zu einer ähnlichen Arbeit anzuregen.

Schließlich berichteten Schülerinnen und Schüler von ihrer Präsentation am Tag der Migranten ebenfalls im Offenen Kanal.


Bilanz 2006: Sprung bei rechtsextremistischen Straftaten

Zum Jahreswechsel erklärt Petra Pau, stellvertretende Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE und Mitglied im Innenausschuss:

Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus haben 2006 in Deutschland eine neue, gefährliche Qualität erreicht. Allein die registrierten Straftaten mit rechtsextremistischem Hintergrund lagen im ablaufenden Jahr 50 Prozent höher, als 2004, also vor zwei Jahren. Das ist ein Sprung. Im statistischen Schnitt wurden 2006 bundesweit stündlich 1 ½ Straftaten und Tag für Tag ca. 2 rechtsextremistische Gewalttaten von den Innenministerien registriert. Die reale Zahl liegt erfahrungsgemäß weit höher und entsprechend größer ist auch die Zahl der Betroffenen. Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus sind in Deutschland längst wieder eine alltägliche Gefahr für Leib und Leben. Dem ist allein mit einem Aufstand der Anständigen nicht mehr beizukommen. Wir brauchen einen Marathon der Demokraten sowie eine partei- und ressortübergreifende Gegenstrategie, die sich auf Fachwissen stützt und die Zivilgesellschaft stärkt. Es geht um die Mitte der Gesellschaft und damit grundsätzlich um die demokratische Verfasstheit der Bundesrepublik Deutschland. Für eine realistische Analyse fehlt der Bundesrepublik Deutschland noch immer eine unabhängige Beobachtungsstelle für Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus nach EU-Vorbild. Sie wurde schon vor Jahren vom Bundestag beschlossen, aber bislang nicht eingerichtet. Das ist fahrlässig. Berlin, den 30. Dezember 2006

~~~

Montag, 27. März 2006 00:27

Datenbank "Unterrichtsmaterialien" vom Fonds "Erinnerung und Zukunft"

von HEIKE KÜHL


Der Fonds "Erinnerung und Zukunft" bietet auf seiner Homepage eine neue
Datenbank zu Lehr- und Unterrichtsmaterialien zum Thema NS-Zwangsarbeit. Die Datenbank wurde speziell für die schulische und außerschulische
Bildungsarbeit. Sie beinhaltet Informationen zu Lehr- und Unterrichtsmaterialien, Filmen, Ausstellungen und Lernorten, Printpublikationen sowie kommentierte Links .
Alle Materialien sind kurz erläutert. Verfügbarkeiten und Bestelladressen
sind angegeben. Eine Recherche nach Ort, Region und Bundesland ist möglich.
Die Datenbank wird redaktionell betreut und fortlaufend ergänzt.


Links:
www.fonds-ez.de/zwangsarbeiter_und_andere_ns_opfer/datenbank_unterrichtsmaterialien/

 

http://www.annefrankguide.net/

08.11.05
Günther Jauch startet Anne-Frank-Webguide
Eine neue Internet-Plattform soll Schülern Referate erleichtern
Wie gegen Rechtsextremismus rüsten? Seit dieser Woche steht dazu auch ein neues Internet-Bildungsprogramm zur Verfügung. Der Anne Frank Guide. Die deutsche Ausgabe der niederländischen Website wird von der EU gefördert - aber nur bis in den Januar. Und dann?

Montagmittag über den Dächern von Berlin-Mitte, ein Konferenzsaal des Softwarekonzerns SAP. Start frei für einen neuen,
...

... ausgesprochen lehrreichen Internet-Auftritt: annefrankguide.net.
Unter dieser Web-Adresse können von nun an Schüler auf eine europäische Datenbank zugreifen, die ihnen kostenlos eine Fülle kurzer Texte, Fotos, Ton- und Videomaterial anbietet, um die Geschichte von Anne Frank, den Nazis und dem von ihnen entfesselten Zweiten Weltkrieg zu erforschen. Ideal für den Unterricht, um sich Versatzbausteine für Referate herunterzuladen - und genau dafür auch gedacht. Die damit erstellten Referate sollen künftig ebenfalls ins Netz gestellt werden.

Die Zielgruppe: 12 bis 16-jährige Schüler, auf sie ist die Website zugeschnitten. Zehntklässler der Berliner Sophie-Scholl-Oberschule durften die Site als "Premierengäste" ein paar Schulstunden im Ethik-Unterricht testen und sie nun in prominenter Gesellschaft vorstellen - gemeinsam mit dem Quizmaster und Journalisten Günther Jauch. Der war kürzlich erst nach Amsterdam ins Anne-Frank-Haus gereist, um dort seiner 12-jährigen Tochter Geschichte nahezubringen. Jetzt schwärmt er von dem neuen, "ungeheuer lebendigen" Internetauftritt, der  Schülern auch ohne gleich nach Holland zu reisen, sehr viel über Anne Frank nahebringen kann.

Der Webguide wurde vor zwei Jahren in den Niederlanden eingeweiht, finanziert vom dortigen Bildungsministerium. Im Rahmen des EU-Minerva-Förderprogramms wird das Angebot nun auf 20 Länder ausgedehnt. In sieben Ländern ist die Seite bereits gelauncht: Holland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Österreich, Tschechien und jetzt auch in der Bundesrepublik. Dabei handelt es sich nicht um reine Übersetzungen, sondern spezifisch zugeschnittene Informationsangebote, angereichert durch Zeitzeugenaussagen, Bilder und Tagebuchnotizen aus den jeweiligen Ländern.

"Wir denken, wir sind die letzte Generation, die noch Zeitzeugen befragen kann", begründeten die anwesenden Schüler ihr Interesse an dem Thema, "es ist unsere Geschichte;  Bildung und Aufklärung ist der Schlüssel dafür, dass das nicht wieder passiert". Dann lobten sie die "relativ kurzen, gut verständlichen und dichten Texte", das praktische "Wörterbuch" und die "Zeitleiste", die es im Anne-Frank-Webguide ermöglicht, einzuordnen, was zeitgleich zu ihren Tagebucheinträgen in der Politik geschah. Auch ein Kalenderblatt wird angeboten. Dort lautet die Notiz vom Starttag: "Heute: 8. November 2005. Damals: 9. November 1938: Die Nazis zerstören in ganz Deutschland Synagogen, jüdische Geschäfte und Häuser von Juden. Mehr als 30.000 jüdische Männer werden verhaftet, 200 Juden werden ermordet. Diese Nacht wird später als „Kristallnacht“ bezeichnet."

"Kann man sich damit auch die Gewinnchance für 'Wie werde ich Millionär' erhöhen?", fragte eine Hörfunkreporterin den Fernsehquizmaster Günther Jauch im Anschluss an die Präsentation. "Ich denke das sollte nicht das vordergründige Motiv sein" antwortetet Jauch, der den Schülern zu Beginn berichtet hatte, wie sehr der Krieg auch Narben in seiner Familie hinterlassen hat. Er zum Beispiel sei nach einem Onkel benannt worden, der sein Leben durch den Nazikrieg verlor.

Premiere hat nur ein Zwischenstand

Fertig ist der Webguide noch lange nicht, bekundeten die extra angereisten Vertreter des holländischen Projektteams aus dem Anne-Frank-Haus. Erst rund 40 Prozent allen Materials sei in die deutsche fassung eingearbeitet. Außerdem entwickele sich die Website permanent weiter. In Holland werde sie bereits intensivst genutzt - mit einem jährlichen Boom im März, April und Mai, wenn in den Schulen Referate zum Thema Kriegsende anstehen. Rund zwei Drittel aller Besucher würden auch alle fünf Schritte bis zu eienm fertigen Referat gehen. Zusätzlich wird ihnen in de niederländischen Fassung auch beigebracht, wie sie beispielsweise ein Referat als Powerpoint-Vortrag anlegen können.


Wie die deutsche Ausgabe allerdings nach dem 27. Januar 2006 weiter betreut werden kann, ist derzeit ungewiss. Dann läuft die EU-Förderung des Projekts aus. Gibt es die Chance, in Deutschland Anschlussmittel für den Ausbau zu erhalten? Schulterzucken beim Vorstandsvorsitzenden des Berliner Anne Frank Zentrums, Thomas Heppener. Die Arbeit seines Zentrums in der Rosenthaler Straße in Berlin wurde maßgeblich gefördert durch Entimon-Mittel aus dem Aktionsprogramm des Bundesjugend- und Familienministeriums 'Jugend für Toleranz und Demokratie - gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismzus'. Doch diese Mittel stehen derzeit in den noch laufenden Koalitionsverhandlungen zur Disposition...

(Von Holger Kulick)


Quelle: www.mut-gegen-rechte-gewalt.de 08.11.05

http://www.annefrankguide.net/

Anne-Frank-Zentrum: http://www.annefrank.de


Das Informationsportal für an der Arbeit von Gedenkstätten in Deutschland Interessierte  Das Gedenkstätten-Forum im Internet spiegelt die in den letzten zwei Jahrzehnten gewachsene und gut entwickelte dezentrale Struktur der Gedenkstättenarbeit in Deutschland wider. Es ist ein zentrales Einstiegsmedium, das in deutscher, englischer und französischer Sprache einen schnellen, umfassenden und einfach zu handhabenden Überblick über die zahlreichen Gedenkstätten für Opfer des NS-Regimes und deren vielfältige Aktivitäten sowie Möglichkeiten der dezentralen Kontaktaufnahme bietet. Die Internetpräsentation des GedenkstättenForums wurde umfassend erweitert und enthält folgende Informationsangebote: http://www.gedenkstaettenforum.de/


http://www.exil-archiv.de/

Online-Projekt beinhaltet inzwischen über 500 Künstler

Unter dem Titel "Exil-Archiv" ist das Online-Projekt der Wuppertaler Else-Lasker-Schüler Gesellschaft im ersten Jahr seines Bestehens kontinuierlich angewachsen. Mittlerweile sind über 500 verfolgte Künstler und Intellektuelle auf mehr als 1000 Seiten online.

Das berichtete Hajo Jahn, Leiter der Literaturgesellschaft, die nach der von den Nationalsozialisten verfolgten jüdischen Schriftstellerin Lasker-Schüler benannt ist. 

Im Exil-Archiv zu entdecken sind die Lebensgeschichten unbekannter, von den Nationalsozialisten oder in kommunistischen Regimes Verfolgter. Aber auch die Biografien bekannter Zeitgenossen, wie der des Physikers Albert Einstein, des "rasenden Reporters" Egon Erwin Kisch, der Malerin Käthe Kollwitz, der Architekten Walter Gropius und Mies van der Rohe, der Regisseure Billy Wilder und Roman Polanski sowie der Politiker Vaclav Havel oder Willy Brandt.

 

Erheblich ausgeweitet hat sich das Exil-Archiv nach Jahns Angaben auch mit thematischen Angeboten, Buchtipps und Veranstaltungshinweisen und der Übersetzung der wichtigsten Texte ins Englische. Als weitere Fremdsprachen-Versionen sind französische und spanische Seiten geplant, deren Übersetzung von der Kulturstiftung der Deutschen Bank gefördert werden.

 

Gemeinschaftsprojekt zur Erinnerung

    Das am 16. Januar 2004 als eine "zeitgemäße Form der Erinnerungskultur" ins Netz gestellte "Exil-Archiv" ist ein Gemeinschaftsprojekt der Else-Lasker-Schüler-Stiftung "Verbrannte und verbannte Dichter/Künstler" mit dem Museum Baden, dem Kunstmuseum der Stadt Solingen. Patinnen des Exil-Archivs sind Veronica Ferres, Angela Winkler sowie Hannelore und Nina Hoger. Adresse s.o.


Einen Brief der Landesschülervertretung der Realschulen findet ihr unter Schule: Themen


Der Fernsehmoderator und frühere stellvertretende
Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Michel
Friedman, beklagt die "Enttabuisierung von antisemitischem Verhalten"
in Deutschland. In der PHOENIX-Sendung "Im Dialog" sagte er, in den vergangenen Jahrzehnten sei die Zahl und die Aggressivität derjenigen, die Juden hassen, nicht zurückgegangen.

"Ich lebe seit 40 Jahren in Deutschland und ich
glaube, dass in diesen 40 Jahren die Situation schlechter geworden
ist", so Friedmann. Die Gefahr, die nicht nur für die Minderheiten
sondern für die gesamte Gesellschaft aus dem Antisemitismus entstehe,
werde nicht ernst genug genommen. "Die scheinbare Hilflosigkeit, mit
der wir uns dauernd exkulpieren, ist nur ein Ausdruck dessen, dass
wir uns nicht genug anstrengen wollen", so der TV-Moderator. "Was wir
jetzt erleben, ist eine substanzielle Identitätskrise eines Teils
unserer Gesellschaft." Die öffentliche Empörung über das Verhalten
der NPD in Sachsen befriedige ihn nicht, "weil es diese öffentliche
Empörung immer wieder dann gibt, wenn ein so genannter Eklat oder
eine ganz bestimmte besondere Situation entstanden ist. " Wenn sich
jeder fünfte Mensch in einer Gesellschaft dazu bekenne,
antisemitische oder rassistische Vorurteile zu haben, so sei dies
"eine Krankheit in einer Gesellschaft, ein Krebsgeschwür, das die
ganze Gesellschaft erfassen kann".
Über seine persönliche Situation
sagte Friedman, er wünsche sich, "nicht etwas Außerordentliches,
Besonderes oder Aufmerksamkeit Bringendes zu sein, weil ich Jude
bin." In Deutschland sei es aber nach wie vor nicht der Fall, dass
Juden in den Alltag integriert empfunden würden wie etwa Christen. Er
habe sich "sehr gefreut", dass seine Frau, die TV-Moderatorin Bärbel
Schäfer, zum Judentum konvertiert sei. "Aber es war nie eine
Bedingung für unsere Liebe, geschweige denn für unsere Ehe." Er
selbst käme "nie auf die Idee, andere Menschen zu missionieren, sie
zum Konvertieren zu nötigen oder zu überzeugen." Auf die Frage, ob er
sich als religiösen Menschen sehe, sagte Friedman: "Ich bin, wenn Sie
meinen Rabbiner fragen würden, für ihn noch lange nicht dort
angekommen, wo er gerne einen religiösen Juden sehen würde. Aber ich
bin ein Mensch, der sich mit Gott auseinander setzt.


17.12.2004 - 12:01 Uhr, NDR Norddeutscher Rundfunk 

 Der NDR hat sich gegen den Fuldaer
Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann in einem Zivilprozess um dessen
als antisemitisch kritisierte Rede zum Tag der Deutschen Einheit
durchsetzen können. Hohmann hatte den Norddeutschen Rundfunk
verklagt, weil dieser angeblich die Rede verfälscht dargestellt und
damit die Affäre um ihn ausgelöst habe.

   tagesschau.de hatte am 30. Oktober 2003 im Internet in einer
Überschrift geschrieben, dass Hohmann die Juden als "Tätervolk"
bezeichnet habe. Laut Klageschrift gebe das den tatsächlichen Inhalt
der Rede nicht wieder und sei eine falsche Tatsachenbehauptung. Der
NDR wies den Vorwurf zurück - die Schlagzeile müsse mit dem
dazugehörigen Bericht bewertet werden, in dem die wesentlichen
Passagen der Rede vollständig zitiert worden seien. Die Überschrift
habe nur ein Schlaglicht auf den Fall geworfen und sei eine zulässige
Bewertung des Falles. Das Landgericht Fulda schloss sich dieser
Argumentation an. Einen Vergleich hatte der NDR zuvor abgelehnt.

   In der Rede hatte Hohmann laut Manuskript gesagt, Juden hätten die
"revolutionäre Bewegung in Russland" geprägt, der Millionen von
Menschen zum Opfer gefallen seien. "Daher könnte man Juden mit
einiger Berechtigung als Tätervolk bezeichnen." Die Union hatte den
Politiker wegen der umstrittenen Rede aus der Fraktion und der Partei
ausgeschlossen - der erste Auschluss in der über 50-jährigen
Fraktionsgeschichte von CDU und CSU.


...und denkst einfach, du kennst den Sportler nicht. Aber würdest du auf den Gedanken kommen, dass er damit sein rechtes Gedankengut nach außen trägt und sich so für andere Eingeweihte zu erkennen gibt? Mittlerweile gibt es mehr als 120 rechtsradikale Symbole, die eine politisch rechte Gesinnung versteckt oder öffentlich nach außen tragen.

Die Broschüre '"Versteckspiel" - Lifestyle, Symbole und Codes von neonazistischen und extrem rechten Gruppen' ist da sehr lehrreich.

"Generell kann man die verwendeten Zeichen in zwei Kategorien unterteilen, die mit offenen und die mit verdeckten Botschaften: Die der ersten Gruppe haben in der Regel einen direkten Bezug auf die nationalsozialistische Zeit, wie das Hakenkreuz oder das SS-Zeichen. Dort ist meistens kein Raum für unterschiedliche Interpretationen. Die der zweiten Gruppe sind vielfach nach außen nicht zu erkennen. Nur Eingeweihte erkennen die Codes oder Zeichen, was auch gleich ein Gruppengefühl entstehen lässt und fördert. Ein Außenstehender kann zum Beispiel nicht wissen, dass die Zahl "88" für "Heil Hitler" steht oder die Zahl 28 für das verbotene Nazi-Netzwerk "Blood & Honour". Da die Szene unter staatlichem und gesetzlichem Druck steht, entfernt sie sich immer weiter von den alten, "klassischen Nazisymbolen" und eignet sich immer öfter Mode und Zeichen anderer Organisationen (auch von Linken) an. Sie stellt sie in einen anderen Zusammenhang, der ihren Zwecken dienlich ist.
So ist zum Beispiel die weit verbreitete Meinung, dass Skinheads Nationalsozialisten seien, schlicht falsch. Auch hier wurden Ausdrucksformen anderer Gruppen einfach übernommen.
Sogar die Parolen und Symbole antifaschistischer Organisationen werden pervertiert. Ob man auf einer Nazi- oder Antifa-Demo ist, kann man oft nicht mehr allein an der Parole unterscheiden, da sich die Rechten der linken Parolen bedienen (natürlich mit anderer Bedeutung!)."

Einen Auszug mit Erklärungen findet ihr auf der Homepage Hyperlinks gegen Rechts:

http://www.hyperlinks-gegen-rechts.de/nazi_symbole.html


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