





GEW: „Bildung weltweit höhere Priorität geben“
Bildungsgewerkschaft zum G8-Gipfel
Frankfurt a.M./Heiligendamm – An die Regierungschefs der G8-Staaten hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) appelliert, der Bildung höhere Priorität zu geben. „Bildung ist ein wichtiger Schlüssel, um weltweit Armut, Hunger und Kriege zurück zu drängen. Bildung ist ein Menschenrecht“, sagte GEW-Vorsitzender Ulrich Thöne mit Blick auf den G8-Gipfel in Heiligendamm. Er erinnerte die Regierungschefs an deren Zusagen zur Erreichung des Bildungsmilleniumziels. Demnach sollen bis 2015 alle Kinder auf dieser Welt Zugang zumindest zu einer Grundbildung bekommen. „Wenn wir dieses Ziel tatsächlich erreichen wollen, müssen gerade die reichen Industrieländer ihre Anstrengungen verstärken und ihre materiellen Zusagen endlich einhalten.“
Thöne sprach sich dafür aus, weltweit mehr Geld in die Zukunftsaufgabe Bildung zu stecken. „Dafür brauchen wir auch ein neues Verständnis des Investitionsbegriffs. Solange die Weltbank Staaten wie Nicaragua dafür bestraft, dass sie zusätzliche Mittel in das Bildungssystem stecken und ihnen den Geldhahn deshalb zudrehen will, läuft etwas grundsätzlich falsch. Eine Weltbankpolitik, die Länder für ihre verstärkten Bemühungen im Bildungswesen weiter in die Schuldenfalle treibt, gehört ins Museum“, betonte der GEW-Vorsitzende.
Thöne machte sich für den qualitativen und quantitativen Ausbau des öffentlich verantworteten und finanzierten Bildungswesens stark. „Ich warne dagegen vor Privatisierungstendenzen. Privatisierung ist ein Angriff auf die Chancengleichheit der Menschen. Sie trägt zur weiteren Spaltung der Menschen im Weltmaßstab, aber auch in jeder einzelnen Gesellschaft bei: Gute, teure Bildung für wenige Privilegierte, billige, schlechte oder gar keine Bildung für den Großteil der Bevölkerung“, unterstrich Thöne. Er machte deutlich, dass Privatisierung auch die Qualität von Bildung bedrohe. Die Regulierung und Liberalisierung führten zu einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen der Pädagoginnen und Pädagogen. „Wir brauchen gute Bildung für alle Menschen. Sie eröffnet die Chance auf eine sinnvolle Lebensperspektive und ermöglicht den Einstieg in den Beruf – und ist die beste Versicherung für ein friedliches Zusammenleben der Menschen“, sagte der GEW-Vorsitzende.

FORDERUNGEN DER DGB-JUGEND ANLÄSSLICH DES G 8-GIPFELS:
- Einhaltung der Kernarbeitsnormen, d.h.
Recht auf auf Bildung von Gewerkschaften, Führen von Kollektivverhandlungen, Abschaffung von Kinder- und Zwangsarbeit, generelles Diskriminierungsverbot in Arbeit und Beruf
- Schaffung qualitativ hochwertiger Arbeits- und Ausbildungsplätze
- Einführung von Mindestlöhnen weltweit und Gewährleistung von Existenz sichernden Ausbildungsvergütungen
- Gewährleistung von betrieblichen Schutz- und Beteiligungsrechten gegen Arbeitgeberwillkür
- Aufbau und Schutz der öffentlichen Daseinsvorsorge und Zukunftssicherung vor Privatisierung und Kommerzialisierung
- Einbeziehung junger Menschen in die politische Gestaltung der Globalisierung

Beginn der Personalratswahl

Keine Angst vor nassen Füßen

Mit ihrer Aktion „Gläserne Schule“ wollen 23 Lehrer der IGS gegen die schlechten Arbeitsbedingungen der Lehrer protestieren.
Flensburg / Flensburger Tageblatt
/pop
Der Raum quillt über. Er ist restlos überfüllt. An der Fensterwand türmen sich Umzugskartons bis zur Decke. Die aus acht kleinen Tischen zusammengefügte Fläche ist voll gestellt mit Aktenordnern, Bücherstapeln, riesigen Monitoren, Papieren. Überall herrscht drangvolle Enge, eine Begegnung zweier Personen geht nicht ohne Schieben, Drängeln, Drücken.
Und der Raum wird trotz seiner gnadenlosen Überfüllung intensiv genutzt – vor allem die kommenden vier Wochen. Die acht Klassenlehrer der siebten Jahrgangsstufe werden hier täglich arbeiten, und zwar nicht nur vormittags. 23 Lehrer der Integrierten Gesamtschule (IGS) haben ihren Schreibtisch für vier Wochen in die „Gläserne Schule“ verlegt.
Sie haben die Nase voll. Seit Jahren sehen sie sich mit einer Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen konfrontiert. Immer höhere Anforderungen und längere Arbeitszeiten würden durch finanzielle Kürzungen begleitet, sagt IGS-Lehrer Bernhard Stern. Zwei Aspekte wurden jetzt herausgegriffen und in eine kreative Protestaktion umgesetzt: die Arbeitszeit der Lehrer und die Tatsache, dass auch Lehrer bald nicht mehr ihr häusliches Arbeitszimmer steuerlich geltend machen können.
Es ist klar, dass ein Lehrer einen großen Teil seiner Arbeit am heimischen Schreibtisch erledigt. Wenn die Absetzbarkeit wie geplant entfällt, „dann wollen wir wie andere Beamte auch an Dienstschreibtischen in unserer Institution arbeiten“, erläutert Bernhard Stern – wohl wissend, dass dieses Ansinnen dauerhaft nicht umsetzbar ist. „Es gibt keine Computer, die wir regelmäßig nutzen könnten.“ Die riesigen Monitore weisen ins Steinzeitalter des PC. Verschließbarer Schrankplatz ist kaum vorhanden. Ruhiges Arbeiten ist nicht möglich.
Der andere Aspekt ist die Arbeitszeit. Lehrer, so haben die IGS-Kollegen hochgerechnet, müssen 45 Stunden pro Woche arbeiten; dabei sind die längeren Ferien einbezogen. In den kommenden vier „gläsernen“ Wochen wollen die 23 teilnehmenden Kollegen nicht länger als 45 Stunden pro Woche arbeiten. Unterricht geht vor, auch Elternsprechtage werden nicht „geschwänzt“. Aber um 17 Uhr gehen sie dann endlich nach Hause und rühren zu Hause nichts mehr an – auch nicht das Telefon, wenn Eltern anrufen. Die Arbeitszeit wird genau dokumentiert, alles was liegend bleibt ebenso. „Das werden vor allem Korrekturen sein“, vermutet Lehrerin Gabi Balzerowitz.
Die Schulleitung ist über die von der Lehrer-Gewerkschaft initiierten Aktion ebenso informiert wie die Eltern. Doch aus dem Boden stampfen kann IGS-Chef Jochen Arlt einen Bürotrakt für die Lehrer auch nicht.
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