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Bis jetzt: Hundehütte - Rudi - Food for Windows [5.11.2004]


Texte aus der "Kaktus"-Zeit

Beitrag für die Sendung „Kaktus“ im Juli 1994

Hier spricht Werner.

Guten Abend.

Ich möchte heute von einer Hundehütte erzählen.

Diese Hundehütte gehörte meiner Urgroßmutter. Die war uralt. Sie hat vor hundert Jahren schon in Breslau Fische verkauft. Nach dem letzten Krieg wohnten meine Eltern , Großeltern und diese Urgroß­mutter alle zusammen in einem Haus.

Warum sie die Hundehütte im Garten stehen hatten, weiß ich nicht. - Vielleicht als eine Art Sommerhaus für Schuftl, denn der Hund wohnte regulär nie in der Hütte, sondern lebte mit der Oma auf dem Zimmer. Irgend­wann kam ich dazu, da hatte er auch noch bei ihr im Bett geschlafen und sie war ganz steif, weil sie sich nicht hatte ausstrecken können.

Gudrun

Meine hübsche Sandkastenfreundin damals, als ich fünf Jahre alt war, hieß Gudrun.

An einem heißen Sommertag verkrochen wir zwei uns in der Hundehütte und zogen aus, was wir anhatten. Da waren wir dann ganz allein und in gegen­seitige Betrachtung versunken.

Meine Mutter erwischte uns, zerrte mich aus der Hütte und stellte mich in der Waschküche zur Rede, weil mein Onkel vom Lande zu Besuch gekommen war, der durfte vom schändlichen Treiben in der Hundehütte nichts er­fahren.

Wo Gudrun an dem Tag geblieben ist, ob sie gar noch mit Kuchen gegessen hat, weiß ich nicht...


Jedenfalls hat der Tag unserer Beziehung nicht gescha­det. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich kurz darauf lange Nachmittage bei ihr im abgedunkelten Zimmer am Bett sitzend verbrachte und ihre Hand hielt, als sie den Arm gebrochen und eine Gehirnerschütterung hatte.

Gefahren

Die Hundehütte wanderte später auf die Veranda, warum?

Schuftl wohnte weiterhin nicht darin, von nun an aber Hornissen, das merkte aber erstmal niemand.

Als ich das Häuschen aufsuchte, diesmal ohne Beglei­tung, erblickte ich die Hornissen. Die begleiteten mich hinaus.

Ich sehe meinen ausgestreckten Arm vor mir, umsurrt von Hornissen, das sah aus wie ein lebendiger Leder­handschuh.

Meine Mutter stand im Haus oben am Fenster und rief: „Ruhig, nur ruhig!“; meine Großmutter vertrieb die Hornissen mit einem Besen. Es war, als fegte sie sie weg.

Die Hütte blieb da stehen - im Weg bei meinen Dreirad­fahrten. Die Veranda hatte - heute unbegreiflich - kein Geländer.

Eines Tages raste ich los, umkurvte das Hundehaus und stürzte in den Abgrund, drei Meter tief kopfüber - hin­unter auf die Garageneinfahrt. So kam ich zu meiner Gehirnerschütterung und den Besuchen von Gudrun, die den Colt vor meiner Mutter versteckte, den mein Onkel mir mitgebracht hatte; denn ich durfte keine Waffe ha­ben.

Epilog

Mein Großvater errichtete eine Mauer um die Veranda herum. An der stand die Urgroßmutter oft mit Schuftl. Schuftl machte den Löwen.

Die Hundehütte wanderte dann wieder in den Garten. Sie diente weiterhin als gutes Versteck, wenn ich die Nachbarskinder mit Schneebällen beworfen hatte oder wenn mein alter Lehrer vorbeikam, der mich immer aus­schimpfte, wenn ich beim Grüßen die Mütze nicht ab­genommen hatte.

Meine Großeltern und die Uroma zogen später ein paar Häuser weiter. Die Hütte nahmen sie mit. Dort hatten sie eine beheizte Garage, in der Gudrun und ich lieber spielten als in der engen Hütte.

Habe ich nun von der Hundehütte erzählt oder von Gudrun?

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Beitrag für die Sendung „Kaktus“ im September 1994


Hier spricht Werner.

Guten Abend.

Wir haben alle ganz spezielle Freunde - auch in der Familie. Meine Großeltern waren solche Leute. An den gabs viel zu bewundern und zu kritisieren. Meine Eltern mochten die nicht so gern, weil sie so eigenwillig waren. Ich konnte dort hinkommen, wann immer ich wollte, alles mit ihnen besprechen, ja, als ich sechzehn war, konnten sie auch gut mit meiner Eigenwilligkeit und Überheblichkeit umgehen. Sie sind lange tot, aber alle paar Tage taucht besonders meine Oma Käte in der Erinnerung auf und ist dann immer so ein Maß, wenn es um irgendwelche Entscheidungen oder Einschätzungen geht.

Heute möchte ich von Rudi erzählen.

Mein Onkel ist Bauer, ein fleißiger, oft lustiger Mann. Als Junge war ich an vielen Wochenenden und in den Ferien dort auf dem Hof. Erst durfte ich auf den Pferden sitzen, später den Traktor fahren. Ich war beim Melken dabei und bei der Ernte. Im Winter setzten wir Zäune zusammen um und fuhren in die Kiesgrube. Der Onkel fuhr mit mir auf dem Motorrad die Bahnschienen entlang, wir pinkelten auf den Elektrozaun. Ich hörte viel über die Sorgen der Bauern, manchmal hatten wir auch einen gehörigen Streit. Da hinter Ratzeburg gings oft zu wie im wilden Westen: Der Jagdaufseher hatte den Colt lose sitzen und ließ es auf eine Ballerei in der Kneipe ankommen, mein Cousin fuhr nach Mölln in die Disco und schlief auf dem Moped ein, mit meinen Cousinen gabs frivole Indianerspiele auf dem Heuboden.

Mein Onkel konnte mit dem wilden Westen gut umgehen, er schlichtete oft Streit. Wenn wir Kinder es zu toll getrieben hatten, gab es meist erst Ärger, wenn ich wieder zuhause in Lübeck war. Die Fußballweltmeisterschaft 1966 mit dem umstrittenen Tor haben wir dort in der Schmiede verfolgt, obwohl ich mich sonst nie für Fußball interessierte.

Mein Onkel rackerte sich immer ab, der Hof ging gut, mehr Land kam hinzu. Als ich selber eine Familie hatte, hat sich das gute Verhältnis auch auf meine Frau und Kinder übertragen.


Am kommenden Wochenende wollten wir Rudi und seine Frau wieder besuchen.

Jetzt ist er gestorben, nur zweiundsechzig Jahre alt. Ich war mit meiner Klasse auf Wanderfahrt in Schweden und erfuhr erst nach meiner Rückkehr von seinem Tod.

Mein Onkel hatte seit längerer Zeit Krebs, im Sommer jetzt waren weitere Metastasen entdeckt worden. Vor zwei Wochen machte ich mit meiner Familie einen Besuch bei ihm. Er wußte, wie es um ihn stand, und war weniger um sich selbst als um seine Frau besorgt, die ihn schon lange gepflegt hatte. Meine Tante ist selbst nicht gesund und hat jahrelang auch für meine alte Großmutter gesorgt.

Mein Onkel war mein ganzes Leben lang ein guter Freund für mich, den ich auf seinem Bauernhof gern besuchte, ihn und alle, die dort wohnten: seine Frau, meine Großeltern, meine Cousinen, meinen Cousin.

Aber erst bei meinem letzten Besuch haben wir ganz offen über Probleme sprechen können, die es in der Familie gab, die er und meine Tante mit den anderen Verwandten hatten. Jetzt erst sehe ich, warum dieser Onkel, mit dem ich viel Quatsch gemacht habe, oft unglücklich gewesen sein muß und nicht wußte, nach wem er sich denn eigentlich richten sollte, ob er und seine Frau sich denn selbst auch am wichtigsten sein durften. Vieles, was wir besprochen haben, hätte auch für mich wichtig sein können, wir hatten in der Familie ja mit denselben Personen zu tun - hätten wir nur eher darüber geredet - viele Jahre vorher.

Ich möchte allen Mut machen, offen zu sein. Ich denke, das Risiko, zu viel von sich preiszugeben, ist viel geringer, als wir denken. Viele von uns haben oft Angst, das, was wir von uns sagen, wenn wir über unsere Gefühle und über Probleme mit Menschen sprechen, das könnte dann von den anderen ausgenutzt und uns um die Ohren geschlagen werden. Viel größer ist aber die Gefahr, daß wir plötzlich merken, eine Beziehung hätte viel schöner noch sein können und für uns hilfreich, wenn wir offener zueinander gewesen wären, und daß wir das erst merken, wenn die Beziehung zerbrochen ist - oder wenn unser Freund gestorben ist. Sicherlich kann es auch sein, daß ein offenes Wort zum Bruch führen kann, daß es uns plötzlich wie Schuppen von den Augen fällt, wenn wir die Abgründe sehen, mit denen andere umgehen. Aber auch das ist heilsam. Manchmal haben wir ja auch ein völlig falsches Bild vom andern, weil uns das so vermittelt wird. In Familien werden solche Intrigenspiele ja oft ausgenutzt. Eltern z.B. üben einen ganz großen Einfluß aus.

Ich habe jedenfalls gelernt, nach Möglichkeit selbst herauszufinden, was los ist - besonders wenn mir erzählt wird, die Tante sei hinterm Geld her und der Onkel kümmere sich nicht genug. Manchmal trifft es gerade auf die zu, die es über andere sagen.

Also: Hinsehen, hinhören, offen reden, Mut.

Jetzt ist 2006: Wir stehen wieder vor der Schmiede und Rudis Sohn Manfred ist dabei und dessen Söhne mit ihren Freundinnen, meine Beziehung zu Rudi lebt weiter.

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Beitrag für die Sendung „Kaktus“ im Oktober 1994

Hier spricht Werner.

Guten Abend.

Ich möchte heute von meiner Entwicklungsarbeit am Computer erzählen.

Das richtungsweisende Programm, das ich jetzt der Öffentlichkeit vorstellen kann, heißt Food for Windows.

Sie benötigen zur Installation 420 MB Platz auf Ihrer Festplatte, also eigentlich eine zusätzliche, die bei einer vierköpfigen Familie auch rund um die Uhr beschäftigt ist, unter 12 MB Arbeitsspeicher geht gar nichts, wenn Sie über Knäckebrote hinauswollen. Der größte Brocken für Sie dürfte die Anschaffung des Materialisators sein, den ich Ihnen zur Zeit für 15.000 DM ungefähr zusammenschraube.

Mein Programm ist zum Glück inzwischen ausgereift, die Usability ist einzigartig.

Ich denke, ich sage mal, wie es funktioniert: Ich starte den Computer, den Befehl Food habe ich inzwischen in die Autoexec.Bat eingebunden, alles andere hat eine ausgereifte Installationsroutine erledigt. Ich rate zukünftigen Usern aber zur benutzerdefinierten Installation, damit Sie z.B. als Vegetarier oder als auf Diät angewiesener kranker Mensch gar nicht erst in Versuchung geführt werden.

Nach Aufruf des Programms öffnet sich der Food-Bildschirm, dort finde ich meine Arbeitsfläche umgeben von Schaltflächen und Steuerungsmöglichkeiten, mit deren Hilfe ich die Arbeitsfläche individuell anpassen kann.Die Menüleiste stellt sich immer gleich dar, verschiedene Symbolleisten erscheinen je nach Tageszeit, fürs Frühstück vor sechs Uhr z.B. sind besonders große Buttons und Schaltflächen und ein eingeschränktes Menüangebot vorgesehen. Mit Hilfe der Uhr, die über den Task-Manager eingeblendet werden kann, ist es aber immer möglich, auch zu ungewohnten Zeiten die Mittagsleiste anzufordern.

Ein leichtes Arbeiten hat der unerfahrene Anwender beim Frühstück, deshalb habe ich dort auch ein Lernprogramm vorgesehen:

Um die Befehle anzuzeigen, öffne ich die Menüs: Wähle ich dann z.B. Brötchen, teilt sich der Bildschirm, in einem gesonderten Fenster werden die im Programm enthaltenen Sorten dreidimensional sichtbar. Da das Programm so umfangreich ist, muß ich die Bildlaufleisten benutzen, um alle ansehen zu können. Wenn ich bis zu drei Sorten markiert habe, kann ich über das Hilfsprogramm weitere Informationen abrufen, Herkunftsland, Zusammensetzung, Nährwert, wünschenswerter Anteil am täglichen Bedarf, eine Datenbank kann interessierten Benutzern auch Informationen darüber liefern, wieviele Roggenbrötchen sie seit Programminstallation schon verzehrt haben.

Das nächste Menü enthält Fette, z.B. Butter, Margarine, Halbfettmargarine natürlich auch, Schmalz usw. Wer unbedingt will, kann sich die Bilder ansehen und dann im Drag-and-Drop-Verfahren das gewünschte Fett auf das Brötchen ziehen. Die Menge kann bis auf ein Zehntel Gramm voreingestellt werden.


Ein weiteres Menü bietet Konfitüre, der Einfachheit halber auch gleich Marmelade und Honig mit.Ich kann über weitere Menüs natürlich auch Jagdwurst, Ölsardinen oder Pepperoni auf mein Brötchen zaubern. Dem persönlichen Geschmack sind keine Grenzen gesetzt.


Wie Sie sich denken können, ist nun die Hardware gefordert. Mit der Entwicklung des Materialisators habe ich drei Jahre verbracht.

Er sieht aus wie ein überdimensionaler Laserdrucker mit einer Klappe obendrauf, braucht allerdings viel Kühlung, weshalb in meinem Büro nie die Heizung angestellt werden darf.

Ich wähle jetzt im Dateimenü den Befehl MACHEN (bitte Vorsicht: bei ALLES MACHEN kommt vielleicht das Abendbrot noch wieder hoch). Nur ich weiß, welch komplizierte Vorgänge nun ablaufen - man hörts an der Festplatte und am Rötern im Materialisator. Nach etwa 15 Sekunden kann ich die Klappe öffnen und entnehme dem Gerät ein frisches Brötchen mit Belag.

Heute schmeckt auch alles, wie es soll - vor einem Jahr noch hatte ich schon mal ein Käsebrötchen in der Hand, das nach Kandiszucker und Kohlsuppe schmeckte, obwohl es vortrefflich aussah.

Im Unterschied zum Drucker, der sein Papier ausspuckt, aber nicht wiederhaben will, können Sie die Nahrung übrigens wieder ins Gerät zurückgeben und löschen. Sie müssen nur beachten, daß keine Dinge aus der Umwelt hinzukommen, die nicht Produkte des Programms sind. Während der Entwicklungsarbeit habe ich einmal ein Glas Honig gelöscht, in das eine Wespe geraten war. Es gab einen wahnsinnigen Programmabsturz mit lautem Summen, am nächsten Morgen entdeckte ich die Wespe plötzlich hinter der Scheibe meines Bildschirms.

Mein Programm insgesamt loszuwerden, wenn Sie denn unbedingt wieder selber kochen wollen, ist allerdings ein Problem. Ich plane, eine Deinstallationsroutine gleich mitanzubieten. Sie können sich denken, wieviele Dateien bei der Installation geändert werden, auch word.exe z.B., weil die Bestellungen an den Schlachter automatisch über Modem rausgehen. Vor einem Uninstallprogramm wie Magic Eye 1.3 warne ich, da haben Sie dann plötzlich Bratwürste oder Lasagne auf dem Motherboard kleben - und das ist schon fast irreparabel.Ich habe mir einen Kindertraum verwirklicht: die Schläuche im Kinderzimmer, aus denen wie im Schlaraffenland gelbe Brause oder Bier kommen sollte!



Wolln doch mal sehen, was für ein OK-Brot ich heute habe, ich wählte heute früh Gemischtes Hack und Camenbert.

(Hält sich nicht so...)

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